REZENSIONEN

"Peinlich"

"Regina Schleheck erzählt eine kriminelle Kurzgeschichte nur in Briefform, und der Briefschreiber demaskiert sich selbst. Nur vordergründig geht es ihm um Hexenverbrennungen im Mittelalter, Vergewaltigungen und Denkmäler. All das wird geschickt miteinander verwoben, doch das tatsächliche Anliegen findet sich im Subtext.
In Wahrheit handelt "Peinlich" vom Besitzstandsdenken jener, denen es materiell an nichts fehlt, dafür aber an Menschlichkeit. Es geht um jene, die schlichte Gemüter aufhetzen, um ihre eigene Agenda zu verfolgen. So behauptet der Briefschreiber, Lesen gefährde den Verstand, außerdem würden Frauen sich unbegründet oder gar absichtlich in eine Opferrolle stürzen. Die Umkehr von Tätern und Opfern, perfide einschmeichelnd vorgebracht von einem, der sich mit allem, was er hat, dem aus seiner Sicht ach so bösen Trend der Zeit entgegenstemmt, führt sich selbst ad absurdum.
Den Rattenfängern und Wahrheitsverdrehern hält Regina Schleheck so treffend wie gekonnt, so aktuell wie zeitlos den Spiegel vor. Und der zeigt, wie es ist, und nicht, wie manche die Welt gerne hätten."

Jury-Begründung zur Nominierung für den Friedrich-Glauser-Preis 2021, 04. Februar 2021

 

"Ich finde deine Geschichte absolut klasse."

Anne Grießer, Herausgeberin, 22. November 2019


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