REZENSION

"Sonne, Mord und Meer"

"In der Anthologie Sonne, Mord und Meer, herausgegeben von Regina Schleheck, dreht sich jede der neunzehn Geschichten um genau eines dieser drei Themengebiete. So hängt es in heimischen Gefilden während eines Wildniswochenendes von der Entscheidung einer Gruppe ab, ob Otto sterben soll. Im Gegensatz zu Rocko, der nach einem AC/DC Konzert auf der Flucht ist und nicht weiß, wohin er fliegen soll, befindet sich eine Frau auf dem Rückflug von Irland nach Frankfurt, wo ihr allerdings einiges sonderbar vorkommt. Da ergeht es ihr aber immer noch besser als einer Besatzung, die im Indischen Ozean auf einer Insel notlanden muss. Auch der Urlaub von drei Frauen steht von Anfang an unter einem schlechten Stern, denn anstatt Flugtickets nach Malaga in Händen zu halten, soll es plötzlich nach Faro an die Algarve gehen
Kein Schüler mag Katharina und sogar die Lehrer würden sie lieber in der "Klapsmühle" sehen, doch von ihrem Leben zu Hause bei ihrem Stiefvater ahnt niemand etwas. In einem anderen Fall befolgt eine unter Depressionen leidende Frau den Ratschlag ihres Psychologen und bucht ein Ferienhaus in Mexiko, das aber so gar nicht zu den Beschreibungen im Reiseführer passen will. Thomas wird nach vierzig Jahren in Scharbeutz von seiner Vergangenheit eingeholt, und Bernhard kann sich nicht über die Geschenke seiner Frau zu einer Reise in den Harz und ausgerechnet einem Navi freuen, das ihm Anweisungen gibt, die er nicht ohne weiteres akzeptieren kann. Ein von der Wollust geplagter Pfarrer ist entsetzt, als er auf einem ganz speziellen Kreuzfahrtschiff landet, ein Urlaub an der italienischen Küste nimmt nicht nur für Heinrich ein tragisches Ende, und auf der Insel Capri wundert sich ein Commissario über das Verhalten der Deutschen, während auf der Deutschen liebsten Insel Mallorca nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.
Die Herausgeberin Regina Schleheck hat in der Anthologie Sonne, Mord und Meer auf sogenannte "Seitenfüller" verzichtet, die ein Buch lediglich umfangreicher machen und auf diese Weise mit eingeschobenen, nur mittelmäßigen Texten einen schlechten Gesamteindruck hinterlassen. Die vorgestellten Kurzgeschichten sind allesamt in einem flüssigen Schreibstil geschrieben und der Leser kann den Handlungen leicht folgen. Häufig werden die klassischen Themen bedient, dass ein Mensch seinen Partner „loswerden“ will. Es finden sich aber auch traurige Inhalte, die nachdenklich stimmen. Glücklicherweise geht es selbst bei den vielen Morden nie blutrünstig zu, und allenfalls eine Geschichte, bei der es um Kannibalismus geht, ist nichts für empfindliche Naturen. Gelegentlich stockt dem Leser der Atem, wenn die Spannung auf einem Höchstmaß angelangt ist, und es gibt immer wieder überraschende Wendungen oder Textstellen zum Schmunzeln. Von einem geplanten Urlaub unter der Sonne oder am Meer sollte sich allerdings niemand durch die vielen Morde in dem Buch abbringen lassen!

Beatrix Petrikowski, 03. Juni 2016, buchaviso.de

 

"Die Sammlung der überwiegend von Autorinnen verfassten Geschichten ist wie ein Urlaub selbst: Man gibt sich der Stimmung hin, lässt sich von der Atmosphäre einlullen und unbeschwert durch den Tag tragen. Die 19 Geschichten schaffen eine gleichmäßige träge Laune wie sonnendurchflutete Tage mit leichter Brise und dem Zirpen der Grillen irgendwo im Mediterraneum. Doch in jedem sommerlichen Urlaub gibt es auch Tage mit Gewittern, Sturm, Regen oder Hagel. Willkommene Abwechslung der lähmenden Schwüle eines Sommerurlaubstages. In dieser Anthologie gibt es auch solch erfrischende und beeindruckende Momente ...
Vom Schreibstil sind die AutorInnen allesamt souverän und lesenswert - die Qualität der Geschichten selbst ist aber durchwachsen. Einer Anthologie gemäß drehen sich die Erzählungen immer um das gleiche Thema - das ist gut so... doch bei der Mehrzahl der Geschichten hier sind die Aufhänger sehr ähnlich und all die sich wiederholenden Beziehungskonstellationen, die meist zu einem unrühmlichen Ausgang führen, beginnen bald zu langweilen.
Das Donnergrollen und den erfrischenden Regenguß in diesem Band bringen die Geschichten von Ilka Stitz mit "Sie haben ihr Ziel erreicht" (da fühlt man sich sehr an vertraute Situationen erinnert), Anne Griesser mit "Regen" (originell witzig vermittelt die Autorin die Idee, Urlaubsprospekte künftig zwischen den Zeilen zu lesen), Sven-André Dreyer mit "Vier Himmelsrichtungen" (die Kürze seiner Erzählung weist für mich die größte Wucht in dieser Erzählsammlung auf), Nadine Buranaseda mit "Auf der anderen Seite" gelingt Ähnliches wie Dreyer, "Die Quelle des heiligen Giovanni" von Gina Greifenstein weiß durchaus zu erfrischen, Harry Michael Liedtke's "Love and Lee" amüsiert und unterhält am meisten wegen der gekonnten Wortspielereien und einem originellen Plot, den auch Christian Linker mit "Strausseneier im Schnee" kurzweilig zu vermitteln weiß... Der Beitrag der Herausgeberin Regina Schleheck mit dem Titel "Die Schlampe" ist eine souveräne Geschichte, die ebenfalls Erinnerungen zu wecken versteht.
Das Ziel der Herausgeberin, einen kurzweiligen, leichten Sammelband für den Urlaub zusammenzustellen, ist erreicht worden. Von all den Autoren hofft man bald wieder lesen zu dürfen!"

Wolfgang Karpf, 28. Mai 2016, www.amazon.de

 

zurück